Auch in den feuchten Gefilden der Elbe, in der Region bei Torgau in Sachsen, war ein kleiner Naturherd von dieser Zecke zu finden. Parasitologen haben in den letzten Jahren beobachtet, dass sich die Auwaldzecke stark vermehrt hat und sich von der Elbe aus über den Fläming bis nach Berlin ausgebreitet. Über den Grund spekulieren die Veterinärmediziner: Sie machen das immer wärmer werdende Klima dafür verantwortlich, glauben aber auch, dass sich die Lebensbedingungen für diese Zeckenart im Allgemeinen verbessert haben. Besonders die Anzahl der Wirtstiere, an denen die Zecken Blut saugen, ist deutlich gestiegen. "Wir wollen die Hundehalter nicht verunsichern, sondern sie sensibilisieren und darauf aufmerksam machen, dass eine frühzeitige Prophylaxe gegen Zecken einen guten Schutz bieten kann", sagt Prof. Dr. Eberhard Schein, Parasitologe an der Freien Universität Berlin.
Beschreibung:
Auwaldzecken sind größer und bunter als andere heimische Zeckenarten. Ein weißer Schild mit dunklen Flecken bedeckt beim Weibchen den vorderen Teil des Rückens, bei der männlichen Auwaldzecke den ganzen Rücken. Im nüchternen Zustand ist die Zecke etwa fünf Millimeter groß, voll gesogen mit Blut bringt sie es auf eine Größe bis zu 16 Millimeter. Erwachsene Auwaldzecken befallen große Haustiere, wie zum Beispiel Hunde und Pferde, aber auch Wildsäugetiere wie Rehe, Wildschweine und Füchse. Die Larven und Nymphen dieser Zeckenart saugen vorwiegend Blut an Waldmäusen und anderen Nagern.
Was ist Babesiose?
Eine mit Babesien (einzellige Parasiten) infizierte Auwaldzecke kann beim Hund die gefährliche Infektionskrankheit Babesiose übertragen. Diese Parasiten befinden sich in den Speicheldrüsen der Zecke und werden beim Blutsaugen übertragen. Ähnlich der Malaria beim Menschen, werden bei befallenen Hunden die roten Blutkörperchen zerstört. Die Inkubationszeit bei natürlicher Infektion beträgt 10 Tage bis 3 Wochen. Der Hund kann unbehandelt bereits nach vier bis fünf Tagen an Blutarmut oder innerhalb von zehn Tagen an Nierenversagen sterben.
Die typischen Symptome sind Fieber (bis 42 °C), Mattigkeit, Schwäche, blasse bis gelbliche Schleimhäute, rötlich bis brauner Harn, Gelbsucht (Ikterus), Leber- und Milzvergrößerung. Wie bei vielen Infektionserkrankungen (Leishmaniose, Borreliose) wird auch die Babesiose im Anfangstadium oft nicht erkannt.
Die Erkrankung beginnt oft eine Woche nach dem Zeckenstich mit hohem Fieber. Die Tierärzte behandeln das Fieber meistens mit Antibiotika, das jedoch die Krankheitserreger nicht abtötet. Erst wenn durch die zerstörten roten Blutkörperchen der Blutfarbstoff, das Hämoglobin, mit dem Harn ausgeschieden wird und der Harn sich dunkel verfärbt, erkennen die Ärzte die Babesiose. " Wenn ein massiver Befall der roten Blutkörperchen bereits erfolgt ist, ist es schwierig, den Hund noch zu retten", erklärt der Tierarzt. "Das Problem ist, dass es in Deutschland keine Medikamente gegen die Babesiose gibt. Die behandelnden Tierärzte müssen sich die Arznei über eine internationale Apotheke besorgen, und bis das Medikament zur Verfügung steht, kann es oft schon zu spät sein."
Babesiose wird mit Bluttransfusionen, Antibiotika, Chemotherapeutika (Clindamycin, Chininsulfat) behandelt. Im Ausland (bspw. Frankreich) existieren zugelassene Medikamente, die Ihr Tierarzt über eine internationale Apotheke beziehen kann. In Deutschland ist kein Impfstoff zugelassen. Im angrenzenden Ausland (Frankreich) sind die Impfungen möglich und auch üblich.
Bisher sind etwa zwanzig bis dreißig Hunde jedes Jahr in Berlin an der Babesiose erkrankt. Die Infektion erfolgte aber in der Regel in Frankreich oder Ungarn und galt als Reisekrankheit. Jetzt haben die Tierärzte den ersten Babesiosefall bei einem Hund nachweisen können, der Brandenburg nicht verlassen und sich offensichtlich hier durch einen Zeckenbiss von Dermacentor reticulatus infiziert hat. "In der Regel sterben die Hunde, wenn die Krankheit nicht rechtzeitig erkannt und richtig behandelt wird", sagt Eberhard Schein vom Institut für Parasitologie und Internationale Tiergesundheit der Freien Universität Berlin.
Vorbeugende Massnahmen:
Einsatz von Zeckenhalsbändern (Scalibor) oder entprechenden Produkten wie Frontline oder Exspot.
Weitere Auskünfte erfragen Sie bitte bei Ihrem Tierarzt oder direkt bei :
Prof. Dr. Eberhard Schein, Institut für Parasitologie und Internationale Tiergesundheit der Freien Universität Berlin, Tel.: 030 / 838-62310, E-Mail: schein@vetmed.fu-berlin.de
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