Nach der Läufigkeit war uns klar, dass Lilli kastriert werden muss, aber warum verhielt sie sich auf einmal so komisch?
Die Läufigkeit von Lilli war relativ extrem und auch der Stress mit Rüdenhaltern machte uns bewusst, dass es so nicht weitergehen konnte. Bei meiner Tätigkeit im Tierheim war die Kastration immer gegenwärtig.
Von vielen verpönt, ist es in einer solchen Einrichtung manchmal nicht anders möglich. Und außerdem soll ja gerade im Tierschutz eine Massenvermehrung bzw. ein unkontrolliertes Vermehren verhindert werden. Es gibt schließlich schon genug ungewollte Tiere. All unsere Tiere waren kastriert, auch unser Zwergwidderböckchen Oskar.
So stand für uns fest, dass auch Lilli diese Operation vor sich hatte. Wir sprachen über das Für und Wider, denn jeder operative Eingriff ist auch für ein junges Tier ein Risiko. Aber die Läufigkeit war doch sehr extrem und mit viel Stress und starken Nerven verbunden (und uneinsichtige Rüdenbesitzer!)
So kam der Tag X, der Tag der Operation. In Absprache mit dem Tierarzt sollte der Eingriff nach 3 Monaten nach der Läufigkeit vorgenommen werden. Ich dachte dies hätte eventuell was mit der Gebärmutter zu tun und der Durchblutung nach der Hitze. Nun es war 10 Wochen her und der Urlaub konnte nicht anders gelegt werden und schwanger war ich ja auch. Nun ja, wir gaben unser Zotteltier am Morgen nüchtern in der Praxis ab, ließen sie sanft einschlafen und bekamen am Mittag ein leicht benommenes Etwas zurück.
Bewaffnet mit diversen Medikamenten und Instruktionen fuhren wir nach Hause. Ich verzichtete auf eine Tröte, denn ich halte nicht sehr viel von diesen Teilen. Klar, wenn ein Hund zum Nagen an der Wunde neigt und unbeaufsichtigt ist, ist sie sicherlich angebracht, aber Lilli war ja unter Aufsicht. Nachts bekam sie eine Strickwindel (Dromarkt) und ein T-Shirt um den Bauch gebunden und dies klappte eigentlich wunderbar.
Nach vier Tagen kam uns Lilli auf einmal verändert vor! War sie beleidigt, hatte sie Schmerzen oder waren das schon die Hormone? Was war nur mit ihr los? Vorne weg sei erwähnt, dass Lilli ein sehr anhänglicher Typ Hund ist, dass heißt also, einmal zum Schmusen eingeladen, wird man sie so schnell nicht los. Aber sie wurde immer extremer was die Anhänglichkeit anging. Und warum um Himmelswillen zerwühlte sie ihre Decken so? Und auch dieses plötzliche Rumgelecke an ihrem Bauch bereitete uns zunehmend Sorgen. War die Narbe entzündet? Oder hatte sie sich Ungeziefer eingefangen?
Wie schon in den ersten Teilen erwähnt wurde, hatte ich bisher immer nur Rüden. Das Halten einer Hündin war absolutes Neuland für uns. Sicher war mir der Begriff Scheinträchtigkeit bekannt und natürlich hatte ich bei meiner Tierheimarbeit auch schon solche Hündinnen betreut, aber ich sah den Wald vor lauter Bäumen nicht. Bis ich bei der Kontrolle der Narbe bemerkte, dass die Milchleiste rot geschwollen war und bei näherer Betrachtung musste ich feststellen, dass dort eine weißliche Flüssigkeit austrat. Meiner Fachliteratur sei Dank, erkannte ich nun, dass die arme Maus scheinträchtig war.
Nach Rücksprache mit dem Tierarzt bekam ich in der Apotheke ein Medikament zur Milchrückbildung und gab ihr zusätzlich noch Pulsatilla D12, um ihre Unruhe und Anhänglichkeit zu lindern. Nach weiteren zwei tagen war es überstanden und im Nachhinein sind wir sehr froh, dass wir den Schritt zur OP durchgezogen haben, denn Lilli gehört zu den Hündinnen, die zur Scheinträchtigkeit neigen. Sie wäre nur unter Medikamentengabe nicht scheinträchtig geworden und hätte vor den Rüden kaum Ruhe gehabt.
Welche Auswirkungen eine Scheinträchtigkeit auf die Gesundheit einer Hündin haben kann, möchte an dieser Stelle nicht breittreten. Nur gesund kann dies auf Dauer sicherlich nicht sein!
Lesen Sie beim nächsten Mal: Brutus, du bist mein allerbester Freund oder die Widerlegung sämtlicher Vorurteile.