|
Hunde sind der beste Freund des Menschen. Ja, ja, sagen da diejenigen, die auf die andere Straßenseite gehen, wenn ein Herrchen mit seinem Liebling aufkreuzt, aber auch diejenigen, die wissen, das das wirklich so sein kann. Hunde sind in - sofern sie nicht Pitbull oder Staffordshire heißen -, werden heutzutage gehätschelt, sind Kindersatz und Familienmitglied.
Was "Kalwass" für Paare oder die Supernanny für aufmüpfige Kinder ist, das sind Menschen mit Hundeblick, die sich Tierpsychologen nennen, für diejenigen Fiffis, die mit derlei menschlicher Nähe nicht mehr klarkommen. Rat gibt´s im nach Quoten schielenden TV auf der "Couch für alle Felle", bei VOX verteilt gar eine "Tier-Nanny" kostenlosen tierischen Rat.
Die "Nanny" beim Allgemeinen Hundesportverein Hochheim heißt Sabine Hagelgans-Faber, und sie kann, wie Friedrich Schultze vom Verein der Hundefreunde Abenheim, derlei televisionären Rezepten wenig abgewinnen. Die stellvertretende Vereinschefin und der Vorsitzende sind sich einig: "Was da in 30 Minuten im Fernsehen gezeigt wird, kann so nicht funktionieren". Allenfalls Denkanstöße könnten gegeben werden, wirkliche Hundeziehung dauere länger, sei lebenslange Auseinandersetzung und Einfühlung. Die Hundekenner können den TV-Tier-Erziehern aber auch Positives abgewinnen. Durch solche Sendungen werde bewusst, das Hunde Lebewesen seien, die Bedürfnisse hätten, die nicht in die Ecke gestellt werden könnten wie Stofftiere, die zu Halten Kenntnisse und eigenes Lernen erforderten. "Schlecht ist aber, dass der Eindruck entsteht, "negative" Verhaltensweisen könnten rasch abgestellt werden - wie in einer Reparaturwerkstatt", betont Schultze. "Viele Leute wollen selbst nichts mehr tun, sich nicht einlassen auf das Tier und seine Bedürfnisse, leider nimmt auch im Umgang mit Mitgeschöpfen die Bedienungsmentalität zu", so Hagelgans-Faber. Ein Tier "funktioniere" nicht nach so kurzer Unterweisung. Und: "Was mit den TV-Fällen passiert, ob die Erziehungsversuche gefruchtet haben - danach fragt später niemand mehr".
Die Vorsitzenden verweisen darauf, dass dies im Verein ganz anders sei. Hier könnten Hundefreunde jederzeit nach Rat fragen, auch Einzelbetreuung sei möglich: "Im Hundeverein steht der Mensch an erster Stelle". Denn wenn Herr und Hund ein Team seien, dann sei es dem Hundeführer gelungen, sich seinem Tier verständlich zu machen, so Schultze. "Einen Fehler kann ein Hund nicht machen", ergänzt Hagelgans-Faber, "Fehler macht immer der Hundeführer". Beide Vereine setzen bei Herr und Hund auf frühzeitiges Lernen durch geschulte Fachkräfte. Die kleinsten Vierbeiner kommen in die Welpenschule, die Teenies in die Jung-Hunde-Gruppe, die großen müssen dann wissen, was "Sitz", "Platz" und "Bleib" bedeutet - und Joggerbeine dürfen für sie kein Objekt der Begierde sein. Mit in die
Hundeschule gehen natürlich immer Herrchen oder Frauchen.
Denn der Hund ist der beste Freund des Menschen: Beide Vereinsvertreter sind dafür, generell allen Tierhalter einen Hundeführerschein abzuverlangen. "Das hilft Herr und Hund - und dann braucht´s in vielen Fällen auch keine ,Hundenanny´ mehr", so die Vereinsvertreter. |