Suchergebnisse

Der Welpe kommt ins Haus – Teil 2

Rasse- oder Mischlingshund?

 

Bevor Sie sich entscheiden, einen Hund zu kaufen, sollten Sie sich einer strengen Prüfung unterziehen. Niemand spricht Ihnen die gute Absicht ab, aber Sie müssen sich vor der Entscheidung klar darüber sein: Ein Hund bedeutet Arbeit, kostet Zeit, Energie und Geld. Immer wieder hört man den Seufzer: Ich hätte nie gedacht, dass ein Hund so viele Verpflichtungen mit sich bringt.

Deshalb überlegen Sie lieber gründlich, bevor Sie einen Hund anschaffen:

  • Sind Sie bereit, Ihr Freizeit- und Urlaubsverhalten zu ändern?
  • Können Sie täglich mindestens zwei Stunden dem Hund widmen?
  • Sind Sie bereit, bei Wind und Wetter, Nässe, Kälte, Hitze, Schnee und Glatteis mit Ihrem Hund spazieren zu gehen?
  • An allen Tagen des Jahres, zu jeder Jahreszeit, nicht nur im Sommer?
  • Ist jemand erreichbar, der Sie kurzfristig vertreten kann?
  • Sind Sie sehr pingelig, was Ordnung und Sauberkeit in Ihrer Wohnung, Ihrem Auto, Ihrem Garten angeht?
  • Sind Sie allein stehend, den Tag über berufstätig und können Ihren Hund nicht mit zur Arbeitsstelle nehmen?
  • Wie ist Ihre Familie, ihre Freunde auf einen Hund eingestimmt? Sind Sie weiterhin, auch mit Hund, ein willkommener Gast?

Können Sie diese Fragen so beantworten, dass Sie eine Hundehaltung ermöglichen, ja verantworten können und für die nächsten 10-15 Jahre tatsächlich auch wollen, dann sollten Sie sich Gedanken machen, ob ein Rüde oder eine Hündin für Sie in Betracht kommt. Die Hündin ist sanfter, einfühlsamer, leichter zu lenken als der Rüde. Dieser wiederum ist draufgängerischer, auf Dauer gesehen vitaler, kerniger. Er braucht eine straffe Führung. Dem Erstbesitzer eines Hundes und älteren Menschen empfehlen wir als Züchter gerne die Hündin, wegen ihrer Anhänglichkeit und größerer Bereitwilligkeit zur Einordnung. Rüden neigen nämlich dazu ihr Revier gegenüber anderen Rüden, die sie als Rivalen betrachten, zu verteidigen. Um dieses Verhalten zu kontrollieren und in die richtigen, erzieherischen Bahnen zu lenken,

braucht man Verständnis und Sachverstand. Ein unerfahrener Hundebesitzer ist damit oftmals überfordert und schnell hat ihm der junge Rüde das Zepter aus der Hand genommen. Fällt die Wahl auf eine Hündin, sollte man den relativ kleinen Nachteil der Läufigkeit (alle 6 – 8 Monate) gelassen in Kauf nehmen. Die Hündin bedarf in dieser Zeit einer Aufsicht, sie sollte nicht frei herumlaufen. Sie verliert in dieser Phase einige Tropfen Blut, die sie aber meistens selber beseitigt – wie sie sich überhaupt vorbildlich sauber hält. Für denjenigen, der über einen Fliesen- oder Holzboden verfügt, stellt das kein Problem dar. Die Flecken lassen sich ohne Mühe aufwischen.

welpe_liegt_auf_wiese

Dass Sie sich Ihren Welpen grundsätzlich beim Züchter kaufen sollten, steht außerhalb jeder Diskussion. Nochmals darauf hinweisen möchten wir aber insofern, dass auch der Kauf eines Welpen, gezogen aus einem „Seitensprung“ des Nachbarhundes Gefahren birgt, die einem unerfahrenen Hundefreund schnell zum Verhängnis werden können. Denn ein Neuling benötigt Betreuung und Anbindung an einen Züchter, der ihn in allen Fragen der Aufzucht und Erziehung beraten kann. Der schnelle Kauf oder die schnelle Übernahme eines „umständehalber abzugebenden“ Hundes kann viel Ärger und Verdruss bringen. Hiervon raten wir allen ab, die zum ersten Mal in ihrem Leben mit einem Hund zu tun haben. Hunde sind Lernlebewesen und was sie in ihrer Kinderstube nicht gelernt haben, kann nur ein sehr erfahrener Hundekenner wieder in die richtigen Bahnen lenken.

Hier also nochmals unser nachdrücklicher Rat: Oberstes Gebot bei der Hundeanschaffung ist die eingehende Beratung beim Züchter. Besuchen Sie ihn, bevor überhaupt Welpen geboren werden, schauen Sie sich das Umfeld und die im Haushalt lebenden Hunde an und prüfen, ob dieser Hund und die Art, wie er gehalten wird, zu Ihnen passt. Haben Sie sich positiv entschieden, warten Sie ab, bis der nächste Wurf geboren wird. Sie können dann ohne Hast sämtliche notwendigen Vorbereitungen treffen.

 

Bevor Sie Ihren Welpen im Alter von ca. 9 Wochen zu sich nehmen, sollten Sie die häuslichen Vorbereitungen abgeschlossen haben, das schließt auch eine eventuell nötige Absicherung durch Gartenzaun etc. ein. Dafür hat man später keine Zeit mehr.

Sie benötigen für Ihren Welpen eine Grundausstattung, wie:

  • Fress- und Trinknapf
  • Leine und Halsband
  • Pflegeutensilien
  • Hundekorb oder zumindest eine pflegeleichte Decke

Einzelheiten hierzu wird Ihnen Ihr Züchter mitteilen. Dieser wird Ihnen auch vorweg einen Fütterungsplan bereithalten, so dass Sie das für Ihren Welpen benötigte Welpenfutter besorgen können. Wichtig ist auch, dass Sie sich entscheiden, wo Ihr Welpe tagsüber und nachts schlafen kann. Der Schlafplatz muss ruhig und zugluftfrei sein. Eine Decke, ein Schafsfell, ein Weidenkorb schafft die Behaglichkeit, die ihr Welpe braucht, um sich wohl zu fühlen.

Das alles bitte in der Wohnung, sodass der Welpe, wenn er wach wird, sofort unmittelbar Kontakt zu Ihnen hat, aber auch, damit Sie ihn beobachten können. Gerade zu Beginn Ihrer Partnerschaft ist es wichtig, dass er alle Erlebnisse mit Ihnen positiv verknüpfen kann. Und für die Sauberkeitserziehung ist es unabdingbar, dass Sie eingreifen können, wenn er suchend nach einem Örtchen verlangt, wo er sein kleines und großes Geschäftchen erledigen kann.

Das Abholen des Welpen beim Züchter sollte am Vormittag oder am frühen Nachmittag erfolgen, mittags ist Fütterung- und Ruhepause. Sichergestellt sollte sein, dass der Welpe noch im Hellen sein neues Zuhause erreicht. Das erleichtert ihm die Orientierung und die Eingewöhnung. Für den Transport sollten Sie eine kleine Decke oder ein Badetuch mitbringen oder besser noch, schon vorher beim Züchter abgeben, damit dieser noch „Stallgeruch“ annimmt. Der Welpe hat dann bei der Heimfahrt einen vertrauten Geruch um sich herum, was ihm ein kleiner Trost bei all dem großen Abschiedsschmerz sein wird.

welpe_im_auto

Für die Fahrt hat sich bewährt, den Transportkorb mit dem Hund auf den Rücksitz zu stellen. Die spätere Bezugsperson sollte sich daneben setzen, ihn streicheln und beruhigend auf ihn einreden. Erschrecken Sie nicht, wenn er kurze Zeit nach der Abfahrt herzzerreißend zu schreien und zu jammern beginnt. Verstehen Sie seine Not! Er begreift soeben, dass er in einer völlig neuen Situation steckt und diese ohne Mutter und Wurfgeschwister und ohne vertraute Umgebung verkraften muss. Das ist schon eine Träne wert. Versuchen Sie dennoch, ihn nicht in dieser Trauer und Not zu bestätigen, ignorieren Sie ihn so gut es geht, Ihre beruhigende Anwesenheit muss ausreichen, dass er wieder zur Ruhe kommt. Es hilft nichts, da muss er durch und irgendwann wird die Müdigkeit ihn einholen und er wird einschlafen.

Sollte Ihre Rückfahrt länger als 2 bis 2,5 Stunden dauern, machen Sie zwischendurch eine kleine Pause, aber bitte nicht auf einer Autobahnraststätte. Fahren Sie von der Autobahn ab in irgendeinen einsamen Seitenweg hinein, wo sich ihr Welpe bewegen kann und nicht durch Autoverkehr gefährdet wird. Haben Sie keine Angst davor, den Kleinen auf die Erde zu setzen. Er läuft nicht weg – im Gegenteil. Er folgt Ihnen auf Schritt und Tritt, schließlich hat er Angst, sein Rudel zu verlieren. Und denken Sie bitte immer daran: Jede Hektik überträgt sich auf den Hund. Bleiben Sie deshalb ruhig und gelassen und bieten ihm etwas vom mitgebrachten Wasser in seinem Trinknapf an.

Und noch ein Hinweis für den praktischen Umgang mit dem Welpen: Hochgehoben wird der Welpe, indem die eine Hand vor seinen Brustkorb und die andere unter seinen Po gelegt wird. Die Gelenke müssen geschont werden. Auf keinen Fall an den Vorderbeinen hochziehen, das schadet den Gelenken und tut ihm weh. Kinder unter 10 Jahren sollten auf keinen Fall einen Welpen auf den Arm nehmen, die Gefahr, dass er zappelt und dann aus Schreck losgelassen wird, ist zu groß. So ein Sturz aus Kinderhänden ist schnell passiert und das Elend ist groß, wenn eine Verletzung die Folge ist. Kinder und kleine Hunde sollten nur auf dem Boden miteinander Kontakt aufnehmen.

Zu Hause angekommen, gönnen Sie dem Welpen, nach einem kleinen Rundgang durch den Garten, erst mal Ruhe. Auf keinen Fall eignet er sich in diesen ersten wichtigen Momenten als Besichtigungsobjekt für Kinder, Nachbarn, Freunde oder Verwandte. Der Welpe braucht Ruhe und nochmals Ruhe und ausschließliche Konzentration auf Sie. In der ersten Woche sollten Sie ihn auch nicht überfordern, der Garten reicht erst mal aus. Sicherheit ist angesagt und vorsichtiges Kennenlernen seiner unmittelbaren Umgebung. Danach allerdings ist die Schonzeit beendet. Nun dürfen auch fremde Personen hinzu und unter Aufsicht und Anleitung mit ihm spielen. Aber alles in Maßen! Ist der Welpe müde, wird er grummelig und zieht sich zurück, lässt man ihn in Ruhe. Das Schlafbedürfnis eines jungen Hundes ist enorm. Die Schlafphasen sind länger als seine Wachphasen. Also fassen Sie sich in Geduld und lassen ihn so lange schlafen wie er will.

Ansonsten darf er jetzt alles mitmachen, was die Familie auch tut. Zur Früherziehung gehören auch kurze Autofahrten. Wenn es ihm auch zunächst keinen Spaß macht, dann erst recht. Er muss lernen, dass nicht sein Wille, sondern der von Herrchen oder Frauchen zählt. Wenn Sie einen gut erzogenen Hund haben wollen, verschaffen Sie sich Respekt. Ihre Kinder werden es dankbar nutzen, wenn der Hund im 2. Lebensjahr seine Grunderziehung abgeschlossen hat, zuverlässig auf Sitz und Platz hört und folgsam an der Leine läuft. Daran haben Sie und Ihre Familie Ihre Freude.

Denken Sie auch daran, dass die Pflege eines Welpen schon in den ersten Tagen geübt werden muss. Lernt er es nicht, ruhig und ohne zu zappeln sich kämmen und bürsten zu lassen, haben Sie spätestens nach einem halben Jahr ein verfilztes Etwas. Und dann ist guter Rat teuer, denn das Auskämmen verfilzter Haarknoten ist schmerzhaft. Ihr Hund wird sich standhaft wehren und das ganze Pflegeritual artet in einen Ringkampf aus. Gewöhnung ist hier die erste Grundregel! Bürsten Sie Ihren Welpen täglich ein paar Minuten, belohnen Sie ihn mit einem kleinen Leckerchen und er wird diese Prozedur in seine täglichen Erlebnisse einbauen und für selbstverständlich halten wie spazieren gehen, fressen und spielen. Als Faustregel gilt bei allen Erziehungsübungen: Sie müssen sich durchsetzen, damit Sie den Hund erziehen und nicht dieser Sie!

Mit freundlicher Genehmigung von: Karin Jetter
Onlineschulungen für Hundezüchter
PON-Zuchtstätte „vom Westenfeld“
www.igh-zuechter.de